Leitfaden

CBAM und Lieferanten aus der Türkei: was Einführer in der EU brauchen

Die CBAM-Pflichten liegen beim Einführer in der EU, aber seine Erklärung beruht auf Daten aus der Anlage des Herstellers. Ohne geprüfte Daten verwendet er Standardwerte mit einem Aufschlag von 10 % im Jahr 2026 und 30 % ab 2028. Dieser Leitfaden erklärt, was ein Hersteller in der Türkei, der Eisen und Stahl, Aluminium, Zement, Düngemittel oder Wasserstoff in die EU liefert, wann und in welcher Form bereitstellen muss.

· An diesem Tag mit den amtlichen EU-Texten abgeglichen. CBAM-Regeln und Leitlinien ändern sich: Prüfen Sie die aktuellen Leitlinien der Kommission, bevor Sie sich auf eine Zahl verlassen.

Wer meldet an? Nicht der türkische Ausführer

Die CBAM-Pflichten, also Zulassung, jährliche Erklärung und Abgabe der Zertifikate, liegen beim Einführer in der EU oder bei dem für ihn handelnden indirekten Zollvertreter (Artikel 3 Nummer 15 und Artikel 5 der Verordnung (EU) 2023/956). Ein Hersteller oder Ausführer in der Türkei kauft keine CBAM-Zertifikate und reicht keine Erklärung ein.

  • Ist derjenige, der die Waren im eigenen Namen zur Einfuhr anmeldet, außerhalb der EU niedergelassen, zum Beispiel ein türkischer Verkäufer, der die Einfuhrabfertigung selbst übernimmt, muss ein in der EU niedergelassener indirekter Zollvertreter zugelassener CBAM-Anmelder sein (Artikel 5 Absatz 2).
  • Die 50-Tonnen-Schwelle gilt je Einführer: Bleiben die Einfuhren Ihres EU-Kunden in den vier Sektoren in einem Kalenderjahr bei höchstens 50 Tonnen Eigenmasse, ist er befreit. Ein Kunde, der erwartet, sie zu überschreiten, wird trotzdem Daten anfordern. Strom und Wasserstoff fallen nicht unter die Schwelle.
  • Der Anmelder gibt die grauen Emissionen entweder mit tatsächlichen Werten oder mit den Standardwerten der Kommission an. Tatsächliche Werte kommen aus der Anlage des Herstellers und müssen von einer akkreditierten Prüfstelle geprüft sein.

Welche Daten der Kunde in der EU anfordert

Nach dem Leitfaden der Kommission für Betreiber außerhalb der EU (Leitfaden Nr. 2 vom 14. August 2026) bereitet eine Anlage, deren tatsächliche Werte verwendet werden sollen, jedes Jahr Folgendes vor:

  • Anlagendaten: Name, Anschrift, Registernummer, Standort (Koordinaten) und Haupttätigkeit; diese werden auch für die Registrierung im CBAM-Register gebraucht (Artikel 10 Absatz 2 der Verordnung).
  • Herstellungsverfahren und Produktionswege: zum Beispiel Hochofen/Sauerstoffblaskonverter oder Elektrolichtbogenofen, Primär- oder Sekundäraluminium, und welche KN-Codes in welchem Verfahren entstehen.
  • Spezifische graue Emissionen in t CO₂e je Tonne Ware: direkte Emissionen; bei Waren mit indirekten Emissionen wie Zement und Düngemitteln der verbrauchte Strom und sein Emissionsfaktor; die grauen Emissionen der Vorläuferstoffe.
  • Vorläuferstoffe: zugekaufte CBAM-Waren wie Knüppel oder Klinker, mit Herstellungsanlage und -land, Mengen und, bei tatsächlichen Daten, dem Prüfbericht des Lieferanten. Ohne Lieferantendaten gilt der Standardwert des Herstellungslandes des Vorläuferstoffs.
  • Warenspezifische Parameter, etwa der Klinkeranteil von Zement oder die Stickstoffformen in Mischdüngern.
  • Daten für die Anpassung an die kostenlose Zuteilung: die „einzubeziehende kostenlose Zuteilung“ der Waren, also die Zuteilung, die sie bei Herstellung in der EU erhielten; sie hängt vom Produktionsweg und vom CBAM-Referenzwert ab.
  • Ein gegebenenfalls gezahlter CO₂-Preis im Ursprungsland, mit Nachweisen.
  • Der Prüfbericht: tatsächliche Werte kommen mit einem positiven Bericht einer akkreditierten Prüfstelle.

Berichtszeitraum ist das Kalenderjahr, in dem die Waren hergestellt wurden, frühestens 2026. Lässt sich der Herstellungszeitpunkt nicht ausreichend belegen, gilt für 2026 eingeführte Waren das Jahr 2026. Die Daten werden mit der Vorlage der Kommission für den Emissionsbericht des Betreibers übermittelt; laut Leitfaden Nr. 2 ist sie nach Artikel 10 der Durchführungsverordnung (EU) 2025/2547 verbindlich.

Wie Hersteller Daten teilen: das CBAM-Register (O3CI)

Die Kommission empfiehlt Betreibern außerhalb der EU nachdrücklich, sich im Modul O3CI des CBAM-Registers zu registrieren. Anlagen- und Emissionsdaten werden einmal hochgeladen, dort geprüft und mit allen Anmeldern geteilt, die die Waren einführen; Anmelder sehen die nötige Zusammenfassung, nicht den vollständigen Bericht. Die Registrierung erfolgt auf Antrag des Betreibers und gilt fünf Jahre (Artikel 10 der Verordnung).

  1. Ein EU-Login-Konto anlegen (Firmen-E-Mail empfohlen) und die Zwei-Faktor-Authentifizierung einrichten. Jede Person registriert sich einzeln.
  2. Im O3CI-Portal einen Zugangsantrag stellen: Unternehmensdaten, Registernummer, Benutzerrolle und eine PDF-Datei mit Handelsregisterauszug, Vertretungsnachweis (zum Beispiel Vollmacht) und Ausweis der vertretungsberechtigten Person, vorzugsweise auf Englisch oder mit Übersetzung.
  3. Nach Freigabe durch die Kommission Anlagen und Emissionsdaten eingeben und über das Register mit der Prüfstelle arbeiten.
  4. Der Kunde in der EU teilt dem Hersteller seine EORI-Nummer mit, damit er dessen Anlage im Register findet.

Ohne Registrierung geht dieselbe Vorlage an jeden Kunden einzeln, und die Kunden müssen für eine mögliche Überprüfung den vollständigen Emissions- und Prüfbericht anfordern.

Prüfung: wer und wann

  • Tatsächliche Werte dürfen nur verwendet werden, wenn eine Prüfstelle sie geprüft hat, die von einer nationalen Akkreditierungsstelle in der EU für CBAM akkreditiert ist. Nur Akkreditierungsstellen in EU- (und EWR-)Staaten können die CBAM-Akkreditierung erteilen; Prüfunternehmen außerhalb der EU können sich an jede EU-Stelle wenden, die sie anbietet.
  • Geprüft wird je Anlage: Die Prüfstelle besucht den Standort und stellt je Anlage einen Prüfbericht aus.
  • Nach dem Zeitplan der Kommission können sich Prüfstellen ab dem 1. September 2026 im CBAM-Register registrieren, und die ersten Prüfungen (Dokumentenprüfung, Vor-Ort-Besuch) beginnen; die ersten Prüfberichte können ab Januar 2027 ausgestellt werden; die Kunden schließen ihre Erklärungen für 2026 bis zum 30. September 2027 ab.
  • Die Kommission rät, eine Prüfstelle früh zu beauftragen, um den Engpass am Ende des Zeitraums zu vermeiden. Die Liste der akkreditierten Prüfstellen wird auf ihrer Seite zur Prüfung veröffentlicht.
  • Die Prüfung im TR-EHS ist ein eigenes System: Nach der türkischen Emissionshandelsverordnung akkreditiert die türkische Akkreditierungsstelle (TÜRKAK) die Prüfstellen. Diese Akkreditierung allein deckt CBAM nicht ab.

CO₂-Preis in der Türkei und das TR-EHS

Die EU-Seite: Ein Anmelder kann einen im Ursprungsland tatsächlich gezahlten CO₂-Preis abziehen, abzüglich jeder Erstattung oder sonstigen Kompensation (Artikel 9 der Verordnung). Nach den Fragen und Antworten der Kommission gelten kostenlos zugeteilte Zertifikate eines Emissionshandelssystems als solche Erstattung. Bei Standardwerten ist der Abzug nur anhand jährlicher Standard-CO₂-Preise möglich, die die Kommission ab 2027 festlegen kann (Artikel 9 Absatz 4).

Die türkische Seite nach den amtlichen Quellen:

  • Das Klimagesetz Nr. 7552 (Amtsblatt vom 9. Juli 2025) sieht ein Emissionshandelssystem mit einer Pilotphase vor der vollen Anwendung vor. Kostenlose Zertifikate können anhand historischer Emissionen oder Referenzwerte zugeteilt werden.
  • Die Verordnung über das türkische Emissionshandelssystem wurde im Amtsblatt vom 27. August 2026 (Nr. 33353) veröffentlicht und trat am selben Tag in Kraft.
  • Nach der Mitteilung des Präsidiums für Klimawandel vom 3. September 2026 hat der Kohlenstoffmarktrat (KPK/2026/1) beschlossen: Die Pilotphase umfasst die Emissionen 2026 und 2027; sie gilt für Anlagen der Kategorien B und C in Stromerzeugung, Zement, Eisen und Stahl, Aluminium und Düngemitteln; im Systemjahr 2026 besteht nur eine Berichtspflicht; der Preismechanismus beginnt mit dem Systemjahr 2027; die kostenlose Zuteilung beträgt in der Pilotphase 100 % nach Referenzwerten.

Folge: Da im Systemjahr 2026 nur berichtet wird, wird für Emissionen von 2026 im TR-EHS kein CO₂-Preis gezahlt. Was ab 2027 abgezogen werden kann, hängt von den Einzelheiten des türkischen Preismechanismus und vom Durchführungsrechtsakt der Kommission zu Artikel 9 ab.

Wie sich Standardwerte vermeiden lassen

  • Der Hersteller überwacht die Emissionen seiner Anlage nach der CBAM-Methodik, lässt sie von einer akkreditierten Prüfstelle prüfen und teilt das Ergebnis mit seinen Kunden. Geprüfte tatsächliche Werte vermeiden den Aufschlag auf Standardwerte.
  • Für Vorläuferstoffe sollte er geprüfte Daten seiner Lieferanten anfordern. Ohne sie gilt der Standardwert des Herstellungslandes des Vorläuferstoffs und, wenn sich dieses nicht ermitteln lässt, der höchste Wert (Anhang IV).
  • Verwendet der Kunde Standardwerte, gilt für Waren mit Ursprung in der Türkei die Tabelle „Türkei“ aus Anhang I; bei Codes, für die sie „–“ zeigt, gilt der Wert aus „Sonstige Länder und Gebiete“. Ware und Wert mit Aufschlag stehen in der Tabelle für die Türkei.
  • Den Unterschied in Zahlen zeigt der CBAM-Rechner: Bei 1.000 Tonnen Betonstabstahl ist ein um 0,5 t CO₂e/t niedrigerer Wert 500 Zertifikate weniger, rund 41.000 € zum Preis des dritten Quartals 2026 (gleicher Produktionsweg).

Checkliste für Hersteller

  1. Die KN-Codes der in die EU gelieferten Waren mit Anhang I der CBAM-Verordnung abgleichen.
  2. Für jeden EU-Kunden den Einführer (oder indirekten Zollvertreter) bestimmen und fragen, ob er die 50-Tonnen-Schwelle überschreitet.
  3. Anlagengrenzen, Herstellungsverfahren und Produktionswege festlegen und jedem KN-Code sein Verfahren zuordnen.
  4. Einen Überwachungsplan schreiben (auf Englisch für die Prüfstelle, auf Türkisch für das Personal).
  5. Daten für das Kalenderjahr 2026 erheben: Brennstoffe und Materialien, Stromverbrauch und -herkunft, messbare Wärme, Vorläuferstoffe mit Lieferantendaten, Produktionsmengen.
  6. Warenspezifische Parameter (zum Beispiel Klinkeranteil) und die Angaben für die Anpassung an die kostenlose Zuteilung ergänzen.
  7. Früh eine für CBAM akkreditierte Prüfstelle beauftragen und den Vor-Ort-Besuch planen.
  8. Im O3CI-Modul des CBAM-Registers registrieren und die EORI-Nummern der Kunden erfragen.
  9. Den Emissionsbericht des Betreibers mit der Vorlage der Kommission erstellen und nach der Prüfung mit den Kunden teilen.
  10. Bei Teilnahme am TR-EHS dessen Berichtspflichten getrennt verfolgen und Nachweise über gezahlte CO₂-Preise aufbewahren.
  11. Den Kalender gemeinsam mit den Kunden im Blick behalten: Erste Erklärung und Abgabe sind am 30. September 2027 fällig. Alle Termine stehen bei den CBAM-Fristen.

Wie Karbonet hilft

In Karbonet verwaltet ein Hersteller seine Anlagen, seine Waren (KN-Code, Sektor, Produktionsweg) und je Ware die jährlichen Erklärungsdaten (Produktionsmenge, direkte Emissionen, Stromverbrauch und Faktor, Vorläuferstoffe, gezahlter CO₂-Preis); die Anwendung berechnet die spezifischen grauen Emissionen. Ein Simulator vergleicht die Kosten mit Standard- und tatsächlichen Werten und erstellt ein einseitiges Einsparblatt für Kunden in der EU, dazu einen CBAM-PDF-Bericht mit Anhang auf Anlagenebene. Der Prüfstelle lässt sich ein befristeter Lesezugang geben. Karbonet ersetzt weder die Prüfstelle noch das CBAM-Register; die Erklärung reicht der Einführer in der EU ein. Mehr auf der Seite zur CBAM-Software.

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Häufige Fragen

Muss ein türkischer Ausführer CBAM-Zertifikate kaufen?

Nein. Die Zertifikate kauft und gibt der zugelassene CBAM-Anmelder in der EU ab, also der Einführer oder sein indirekter Zollvertreter. Die Aufgabe des Ausführers ist, geprüfte Emissionsdaten seiner Anlage bereitzustellen.

Muss sich ein Hersteller in der Türkei im CBAM-Register registrieren?

Die Registrierung erfolgt auf Antrag des Betreibers (Artikel 10 der Verordnung). Die Kommission empfiehlt sie nachdrücklich, weil die Daten einmal hochgeladen, mit allen Kunden geteilt und über die Zusammenfassung hinaus vertraulich behandelt werden. Eine Registrierung gilt fünf Jahre.

Darf ein Prüfunternehmen aus der Türkei CBAM-Emissionen prüfen?

Ja, wenn es eine CBAM-Akkreditierung einer nationalen Akkreditierungsstelle in der EU hat. Prüfunternehmen außerhalb der EU können sich an jede EU-Stelle wenden, die die CBAM-Akkreditierung anbietet. Eine TÜRKAK-Akkreditierung für das TR-EHS allein deckt CBAM nicht ab.

Kann ein im TR-EHS gezahlter Betrag vom CBAM abgezogen werden?

Abziehbar ist nur ein tatsächlich gezahlter CO₂-Preis abzüglich Erstattungen; kostenlose Zuteilung gilt als Erstattung. Nach dem Beschluss des Kohlenstoffmarktrats wird im Systemjahr 2026 des TR-EHS nur berichtet, der Preismechanismus beginnt 2027. Für Emissionen von 2026 gibt es daher keinen TR-EHS-Preis zum Abzug.

Was gilt, wenn der Kunde weniger als 50 Tonnen im Jahr einführt?

Die Schwelle zählt die gesamten Einfuhren des Kunden in den vier Sektoren. Bleiben sie bei höchstens 50 Tonnen, ist er befreit und reicht nichts ein. Ein Kunde, der erwartet, die Schwelle zu überschreiten, wird Daten anfordern, weil er dann für alle Einfuhren dieses Jahres Pflichten hat.

Welchen Zeitraum müssen die Daten abdecken?

Das Kalenderjahr, in dem die Waren hergestellt wurden, frühestens 2026. Lässt sich der Herstellungszeitpunkt nicht belegen, gilt für 2026 eingeführte Waren das Jahr 2026 und in späteren Jahren standardmäßig das Einfuhrjahr.

Kann ein Hersteller die Daten in einer eigenen Tabelle schicken?

Nach dem Leitfaden Nr. 2 der Kommission ist die Vorlage für den Emissionsbericht des Betreibers verbindlich. Auch ohne Registrierung im CBAM-Register sollten die Daten in dieser Vorlage geteilt werden.

Amtliche Quellen

Jede der folgenden Quellen wurde am 9. Oktober 2026 geöffnet und geprüft.

Allgemeine Informationen zum EU-Recht, keine Rechts-, Steuer- oder Zollberatung. Verbindlich sind nur die im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlichten Texte.

CBAM-Daten als Routine statt Last-Minute-Aufgabe

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